Empfehlen

Die Erfinder des Teleskopwindrads

Ingenieurbüro Innoven bastelt an neuen Ideen für Windräder und Schiffe - Letzte Rate für Gründerpreis


Artikel vom 25.10.13, Nordsee-Zeitung

FISCHEREIHAFEN. Immer höhere Türme, immer größere Rotoren – die Windräder der neuesten Generation machen sich groß und breit, um das meiste aus dem vorbeiströmenden Wind herauszuholen. Der Nachteil: Damit sie dem Druck der steifen Brise standhalten, müssen sie immer kräftiger gebaut sein und tiefer gegründet werden. Das kostet Geld – Geld, das Rolf Rohden und Martina Kuhlmann lieber sparen wollen.

Martina Kuhlmann und Rolf Rohden - hier mit Profilen für Windradrotoren - wollen aus vorhandenen Technologien mehr machen.

Die beiden Tüftler, Inhaber des Ingenieurbüros Innoven, arbeiten an einem „Teleskopwindrad“, das sich den herrschenden Windverhältnissen anpassen kann. Sowohl die Rotorblätter als auch der Turm können ein- und ausgefahren werden: Bei Schwachwind macht sich das Windrad groß, um möglichst viel Wind einzufangen; bei Starkwind duckt es sich, damit der Druck auf Rotor und Turm nicht zu groß wird. „Wir trennen auf diese Weise den Ertrag von den Lasten“, sagt Ingenieur Rohden: „Viel Ertrag bei wenig Wind, wenig Belastung bei viel Wind – die Investition pro Kilowattstunde geht dadurch deutlich runter.

Suche nach Partnern

Noch dreht sich das iT-Windrad (i für intelligent) nur auf dem Computerbildschirm. Doch die beiden sind auf der Suche nach Partnern, mit denen sie ihre Idee in die Praxis umsetzen können. Immerhin: 25000 Euro haben sie seit dieser Woche schon mal in der Tasche – die letzte Rate des Bremerhavener Gründerpreises, den sie vor zwei Jahren gewannen. Die Stifter – Sparkasse Bremerhaven, Dieckell-Stiftung und Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS – befanden, dass sich die Preisträger den Rest des auf 50000 Euro festgesetzten Preisgeldes verdient haben. Immerhin gewannen sie im vergangenen Jahr auch auf Bundesebene den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start up (Unternehmensneugründung).

Grüne Schiffstechnologien

Neben der Windenergie setzen die beiden überzeugten Bio-Konsumenten auf „grüne“ Technologien für den Schiffbau. Mit kleinen Veränderungen lassen sich auch bei einer ausgereiften Technologie noch Einsparungen erzielen – davon sind sie überzeugt. „Wir optimieren alles, was man optimieren kann“, sagt Martina Kuhlmann. Dazu haben sie sogar ein eigenes Schiff gekauft, einen ausgedienten Tonnenleger, den sie nun zum Versuchsschiff „LEV Taifun“ umgebaut haben. Das LEV steht für „lowest emission vessel“ – Niedrigstemissionsschiff. Damit wollen sie ihre Ideen und Berechnungen praktisch testen. Und Geld verdienen soll der Öko-Dampfer nebenbei auch: „LEV Taifun“ hat bereits Messbojen für das Fraunhofer-Institut ausgelegt und Wracks für das Schifffahrtsmuseum gesucht; nächstes Jahr soll sie Gäste zum Leuchtturm Roter Sand bringen.

Vielleicht bekommt die kleine „Taifun“ eines Tages sogar einen großen Bruder: Über die Computerbildschirme der Innoven-Konstrukteure flimmert bereits ein Mehrzweck-Arbeitsschiff für die Offshore-Branche, das alle neuen Technologien vereint. Projektname: „LEV Hurricane“. (cb)

Die „LEV Taifun“ soll neue Technologien im Schiffbau testen – und dabei ab 2014 Gäste zum Leuchtturm Roter Sand bringen.


Presseartikel downloaden »