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Die Windmacher

Rolf Rohden und Martina Kuhlmann entwickeln bei Innoven Ideen für On- und Offshore-Anlagen sowie Schiffe


Artikel vom 24.02.13, Weser-Kurier

Windenergie und Schiffstechnik: Martina Kuhlmann und Rolf Rohden bringen in dem Bremerhavener Ingenieurbüro Innoven beide Branchen zusammen. Seit 2012 sind sie zudem Schiffseigner: Mit dem ehemaligen Tonnenleger „Lev Taifun“ bringen sie künftig Touristen zum Leuchtturm Roter Sand. Von Maren Beneke

Rolf Rohden und Martina Kuhlmann wollen mit ihrem ausgedienten Tonnenleger nicht nur Offshore-Anlagen versorgen, sondern auch Touristen zum Leuchtturm Roter Sand bringen.

Bremerhaven. Seine Vergangenheit hat Rolf Rohden stets vor Augen. Wenn er die Stufen in den ersten Stock seines Ingenieurbüros hinaufsteigt, kommt er an einer ganzen Reihe von Fotos vorbei. Jedes der Bilder zeigt ein anderes Schiff und damit jeweils ein anderes Stück von Rohdens Lebensgeschichte. Denn auf jedem dieser Schiffe hat der Geschäftsführer der Innoven GmbH bereits gearbeitet. Vor einer Schwarz-Weiß-Fotografie hält Rohden kurz inne, tippt auf das Bild. „Hier hat alles angefangen“, sagt er stolz. „Auf dem kleinen Frachter meines Vaters.“

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem sich der 52-Jährige zusammen mit seiner Lebensgefährtin Martina Kuhlmann selbstständig gemacht hat und in Bremerhaven ein eigenes Ingenieurbüro gründete. Arbeitsschwerpunkte des Unternehmens sind Windenergie und Energieeffizienz von Schiffen. Zwei Bereiche, mit denen sich Rolf Rohden und seine Lebensgefährtin seit Jahren beschäftigen.

Rohdens Wurzeln liegen in der Schifffahrt. Schon als kleiner Junge fuhr er zur See. „Ich bin immer auf Schiffen gewesen, habe alles gemacht: vom Maschinen abschmieren bis hin zur Ruderwache.“ Seine Begeisterung für die Schifffahrt brachte ihn schließlich nach Hamburg: Dort studierte er Schiffsbetriebstechnik, war aber in jeder freien Minute weiter auf hoher See. „Das passte dann irgendwann mit der Familie nicht mehr“, sagt Rolf Rohden. Daher habe er sich nach einer Festanstellung umgesehen und landete 1986 schließlich beim Germanischen Lloyd.

Dort arbeitete der Schiffsbetriebstechnikingenieur im Bereich Messtechnik und kam dadurch erstmals auch mit Windenergie in Kontakt. „Seitdem ist sie zu meiner zweiten Leidenschaft geworden“, sagt er. Rolf Rohden erlebte die Entwicklung dieser noch jungen Branche von Beginn an. „Keiner hatte Ahnung davon. Aber die Aufbruchstimmung war unglaublich“, sagte er.

Martina Kuhlmann arbeitet seit 1994 in der Windenergie-Branche: Nach einem abgeschlossenen Physik-Studium übernahm sie als Assistentin der Geschäftsführung in einer auf Windenergie spezialisierten Firma unter anderem die technische Dokumentation und koordinierte die Forschungs- und Entwicklungsarbeit. „Bis dahin hatte ich noch nie von Windenergie gehört“, sagt die heute 44-Jährige. Die Branche sei damals noch ganz am Anfang gewesen. „Das hat keiner so richtig ernst genommen“, sagt Kuhlmann. Aber gerade hierin habe der Reiz gelegen: „Man konnte richtig viel bewegen.“

Über die Arbeit lernte die Physikerin schließlich auch ihren späteren Lebensgefährten Rolf Rohden kennen. Gemeinsam beschlossen sie, sich selbstständig zu machen und gründeten 2011 ihr Ingenieurbüro Innoven. „Wir  haben uns damals gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt die 44-Jährige. Den Bereichen Wasser und Wind sind sie dabei nicht nur arbeitsthematisch treu geblieben: Firmensitz ist in den ehemaligen Hallen eines Netzmachers nur ein paar Meter vom Weserdeich entfernt. Wer aus den Bürofenstern blickt, sieht Wasser, Schiffe, Fabrikgebäude. „Ich bin oft auf dem Deich. Bei der frischen Luft, da kommen die besten Ideen“, sagt Rolf Rohden. Seine Lebensgefährtin und er hätten sich damals bewusst für den Standort Bremerhaven entschieden. „Auch wenn die Stadt als ,Fishtown’ verschrien war – für uns stand fest: Hier geht richtig was los. Und dann auch noch in den Bereichen, auf die wir uns spezialisieren wollten“, so der 52-Jährige.

Zuspruch für die Firmengründung habe es dennoch nicht von allen Seiten gegeben: „Einige Banken und Geschäftspartner standen uns ziemlich negativ gegenüber“, erinnert sich Martina Kuhlmann. Die Wirtschaftsförderung hingegen habe sie bei ihrem Vorhaben immer unterstützt. Die Belohnung für ihre Arbeit kam wenige Monate später: Im November 2011 wurde Innoven mit dem Bremerhavener Gründerpreis ausgezeichnet. „Da wir aufgrund der erst kurz bestehenden Firma keine umfassenden Geschäftszahlen vorlegen konnten, muss es wohl an der Idee gelegen haben“, sagt die Diplom-Physikerin schmunzelnd. „Das gibt natürlich noch mal einen ordentlichen Motivationsschub. Denn zu einer Selbstständigkeit gehört auch eine ganze Menge Mut und Überzeugung.“

Seitdem hat sich viel getan in den alten Hallen des Netzmachers. Nach und nach wurden Büroräume und Werkstatt ausgebaut. Dabei haben Rolf Rohden und Martina Kuhlmann bewusst darauf geachtet, die Gebäudestrukturen zu erhalten. „Wenn etwas Altes bestehen bleiben soll, muss man kreativ sein und Fantasie haben“, sagt der Geschäftsführer. So wurden beim Umbau wo möglich nachhaltige Materialien eingesetzt. Auch im Berufsalltag bestellt das Paar seinen Bürobedarf etwa bei einem Ökoversandhandel, kauft Lebensmittel für die unternehmenseigene Küch ein einem Bio-Supermarkt und probiert, auf Autofahren und Fliegen zu verzichten. „Wir versuchen umfassend nachhaltig zu leben“, sagt Kuhlmann.

Wenn das Paar auf die vergangenen zwei Jahre zurückblickt, ist es zufrieden. „Die ersten Monate waren für unser Unternehmen sehr kreativ“, sagt Rolf Rohden. Kuhlmann, Rohden und ihre zehn festangestellten Mitarbeiter optimieren heute unter anderem die Maschinenleistung von Schiffen, um deren Treibstoffverbrauch zu verringern. Oder sie verfeinern die Entwürfe von Schiffsrümpfen, sodass sich möglichst wenig Wasserwiderstand entwickelt. Im Bereich Windenergie planen sie einzelne Anlagenkomponenten oder auch komplette Windräder und verbessern die Rotorblätter für eine höhere Energieausbeute.

All das passiert bei Innoven aber nicht allein am Computer. In der hauseigenen Werkstatt werden auch Prototypen gebaut. Rücken an Rücken stehen da etwa einzelne Bestandteile eines der riesigen Rotorblätter. Um zukünftig auch noch größere Projekte in den eigenen Räumen umsetzen zu können, soll in den nächsten Wochen die Halle umgebaut werden. „So gehen wir Schritt für Schritt von der Theorie in die Praxis“, sagt Rolf Rohden.

Ganz nebenbei hat sich der Schiffsbetriebstechnikingenieur einen weiteren Traum erfüllt: Anfang vergangenen Jahres kaufte er den ausgedienten Tonnenleger „Johann Georg Repsold“. Der Name ist längst Geschichte, mittlerweile prangt in großen, weißen Buchstaben „Lev Taifun“ auf dem Heck des 41 Meter langen Schiffs. „Der Name musste natürlich etwas mit Wind zu tun haben“, sagt Martina Kuhlmann. Lev steht für Low Emission Vessel – also ein Schiff, das die Umwelt vergleichsweise gering belastet.

Die „Lev Taifun“ soll Arbeitsmaterial und Messgeräte zu Offshore-Windenergieanlagen bringen. Zudem können die Innoven-Mitarbeiter an dem Schiff ihre Entwicklungen im Bereich Schifffahrt auch in der Praxis austesten. Gleichzeitig wird der Tonnenleger demnächst auch Tages- und Übernachtungsgäste zum Leuchtturm Roter Sand bringen. Da das bisherige Versorgungsschiff ausgefallen ist, gibt es derzeit keinen Publikumsverkehr zu dem Baudenkmal in der Nordsee. Zum Konzept von Innoven passt diese zusätzliche Einnahmequelle optimal – gilt der 100 Jahre alte Leuchtturm doch als eines der ersten, modernen Offshore-Bauwerke.

Langfristig wollen Rolf Rohden und Martina Kuhlmann mit ihrem Unternehmen weiterhin daran arbeiten, dass die Energiewende auch wirklich umgesetzt wird. „In beiden Bereichen, der Schifffahrttechnik und der Windenergie, steckt noch jede Menge Potenzial“, ist der 52-Jährige überzeugt. So hat er unter anderem einen eigenen Schiffversorger für regenerative Energien geplant. Bisher existiert dieser nur auf dem Bildschirm, doch wenn es nach dem Paar geht, soll sich das irgendwann auch ändern. Auch im Bereich Windenergie stehen noch einige Vorhaben aus: „Ich träume davon, eine sehr innovative Windenergieanlage zu entwickeln, die ganz anders aussieht, als alles bisher Dagewesene.“ Wann all das passieren soll? „In den kommenden 15 Jahren“, sagt Rolf Rohden. Ans Rentenalter denkt er noch lange nicht. „Für mich ist die Arbeit ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Was ich tue, mache ich gern.“

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