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Hightech für die Windkraft

Bremerhavener Firma Innoven erforscht neuartige Blätter für die Anwendung auf hoher See


Artikel vom 03.11.13, Sonntagsjournal

Martina Kuhlmann und Rolf Rohden freuen sich über den Deutschen Gründerpreis 2013 in der Kategorie StartUp. (Foto: www.deutscher-gruenderpreis.de)

BREMERHAVEN. Die Innoven GmbH ist mehr als ein klassisches Ingenieurbüro für Windkraft und Schifffahrt. Darauf legen die beiden Geschäftsführer Rolf Rohden und Martina Kuhlmann großen Wert. Allerdings benötigen sie diesen Geschäftszweig – zusammen mit den Einnahmen aus der Vercharterung ihres Schiffes „LEV Taifun“ – als Haupteinnahme­quelle, um ihren zweiten Zweig zu finanzieren: die Grundlagenforschung. Und die hat es in sich. Ein höhenverstellbares Offshore-Windrad und ein neuartiges Errichterschiff sind nur zwei Visionen von Rohden und Kuhlmann.

„Wir lieben spannende Projekte“, betont Rohden. Man sei auf keinen Fall ein Standard-Ingenieurbüro. „Unser Schwerpunkt ist die Entwicklung von Hightech-Produkten. Wir haben Mut zu neuen Wegen“, ergänzt Kuhlmann. Nur mit Innovationsfähigkeit und Ingenieurskunst gebe es eine Chance, den Standort Deutschland zu erhalten: „Das geht nicht mit Serienprodukten und dem üblichen Copy und Paste.“

Mehr Ertrag bei Windkraftanlagen
Erste Erfolge hat Innoven bereits zu verzeichnen: „Zehn Prozent mehr Ertrag bei Windkraftanlagen auf hoher See“, wie Kuhlmann berichtet. So könne mit dem richtigen Blatt das meiste geerntet werden. So wurde zusammen mit der Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS ein neuartiges Blatt für den Offshore-Bereich entwickelt, das für sehr schnelle Drehzahlen ausgelegt ist. Zudem verfügt es über eine besondere Spitze. Weiterhin wurde die Steuerung und Regelung verbessert. „Hier bauen wir die Schaltschränke und entwickeln die Software“, sagt Kuhlmann.

Die nächsten Ziele in diesem Bereich seien ein Offshore-Blatt der nächsten Generation, das als Prototyp auch bei Innoven gebaut werden soll, sowie später eine komplette, intelligente Anlage: „Das Besondere daran ist, dass sowohl die Blätter als auch der Turm höhenverstellbar sind, also ähnlich wie eine Radioantenne, und sich den jeweiligen Windverhältnissen anpassen können“, erläutert Rohde. Dieses Konzept wolle man zuerst komplett entwickeln und die Vorteile zeigen, wobei man die Anlage vorzugsweise auch in der Nähe von Bremerhaven testen wolle, bevor sie auf den Markt gebracht wird.

Bei einem anderen Tätigkeitsfeld von Innoven handelt es sich um die Schifffahrt. „Es geht um bessere Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit“, berichtet Kulmann. Auch hier habe man mit neuen Blättern für den Antrieb gearbeitet. Aber auch in diesem Bereich hat Innoven Visionen: So sollen unter anderem innovative Segeltechnologien entwickelt werden, beispielsweise große drehende Zylinder auf dem Deck eines Schiffes. „Sie wirken wie ein Segel, nur viel intensiver“, erläutert Kuhlmann.

Der große Traum ist jedoch die Entwicklung eines multifunktionalen Arbeitsschiffes für den Bau und die Wartung von Offshore-Windkraftanlagen und Gezeitenkraftwerken auf hoher See. „Dieses Schiff hätte dann beispielsweise Beine, die abnehmbar sind und einen langen Teleskop-Kran für Arbeiten an Rotoren oder unter Wasser. „Aber das ist tatsächlich eher eine langfristige Vision, die auch viel Geld kostet“, meint Kuhlmann.

21 Mitarbeiter beschäftigt Innoven an ihrem Firmensitz im Fischereihafen, die Hälfte davon sind Studenten. „Wir wollen die jungen Leute mitnehmen, sie praxisnah arbeiten lassen“, betont Rohde. Sicherlich werde die Mitarbeiterzahl noch steigen, aber mehr als 100 sollen es nicht werden. „Wir wollen klein und flexibel bleiben“, sagt Rohde.

Und der Erfolg gibt ihm recht: Nicht umsonst ist Innoven Trägerin des Bremerhavener Gründerpreises, der von der Dieckell-Stiftung, der BIS und der Sparkasse Bremerhaven mit 50 000 Euro dotiert ist. Die letzte Tranche in Höhe von 25 000 Euro wurde kürzlich übergeben. Sowohl Uwe Perl, Vorstandschef der Sparkasse, als auch BIS-Geschäftsführer Nils Schnorrenberg zeigten sich sehr zufrieden mit der Entwicklung der Firma. „Aber für mich war von Anfang an klar: Die wollen wir hier in Bremerhaven haben“, verrät Schnorrenberger. 

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