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Kreuzfahrt soll grün werden

Segel-Technologie aus Bremerhaven macht den „Green Cruiser“ zum weltweit wohl umweltfreundlichsten Kreuzfahrtschiff


Artikel vom 06.09.14, Nordsee-Zeitung

Kreuzfahrt soll grün werden

Einen um 50 Prozent geringeren Brennstoffverbrauch als bei herkömmlichen Kreuzfahrtschiffen erhoffen sich die Gesellschafter des frisch gegründeten Hamburger Unternehmens Green Sailing GmbH von ihrem „Green Cruiser“ („umweltfreundliches Kreuzfahrtschiff“) genannten Schiffsentwurf. Möglich werden soll dieser Entwicklungssprung vor allem durch vier je 26 Meter hohe Segel als Zusatzantrieb. Für den liefert das Bremerhavener Ingenieurbüro Innoven das nötige Know-how.

„Unsere Segel helfen, das 150 Meter lange und 30 Meter breite Schiff auch dann in Fahrt zu halten, wenn der Wind direkt von vorne kommt“, erläutert Rolf Rohden, Geschäftsführer von Innoven und zugleich einer der Chefs bei Green Sailing, einen der Hauptunterschiede zum klassischen Windjammer.

Die neuartigen Segel werden aus Metall geformt und bestehen aus festen Segelprofilen mit rotierenden Vorderkanten. Diese schmalen Walzen, die aufrecht im Wind stehen, nutzen das als Magnus-Effekt bezeichnete physikalische Prinzip: „Der die Walzen umströmende Wind kann zum Vortrieb genutzt werden“, so Rohden.

Mit dieser Technologie hat der Ingenieur bereits Erfahrung: In seiner Zeit beim Auricher Windenergieanlagenbauer Enercon war Rohden maßgeblich am Bau des „E-Ship 1“ beteiligt. Dieser 130 Meter lange, 2010 in Dienst gestellte Frachter, mit dem Enercon seine Windräder transportiert, nutzt vier je 27 Meter hohe Flettner-Rotoren, die die Antriebsmotoren unterstützen.

Mit Hilfe der Segel und seinen Motoren, die schwefelfreien Diesel oder das vergleichsweise umweltfreundliche Flüssigerdgas (LNG) verbrennen, soll der luxuriös ausgestattete Fünf-Sterne- „Green Cruiser“ bis zu 350 Passagiere rund um den Globus transportieren. „Das Schiff soll auf Routen mit viel Wind zum Einsatz kommen“, erläutert Innoven-Geschäftsführer Rohden. Mit seinen Dimensionen kann es in Häfen abseits des Massenbetriebs der Ozeanriesen festmachen.

Klima- und Umweltschutz sollen auch das Bordprogramm prägen, etwa durch Vorträge. Für den Hotelbetrieb sind Solarenergie und Technologien zur Energierückgewinnung vorgesehen. Zwischen 100 und 150 Millionen Euro soll der Umwelt-Kreuzer kosten, schätzt Rohden. „Wir sprechen dazu mit Investoren.“ Deutschland habe die Chance, auf diesem Gebiet Innovationsführer zu werden. „Deswegen würden wir das Schiff gerne auch in Deutschland fertigen lassen.“ Erste Verhandlungen mit Werften habe es hierzulande bereits gegeben. „Wir möchten nächstes Jahr anfangen zu bauen.“ Am liebsten eine kleine Serie von Öko-Luxuskreuzern. „Dadurch würden sich die Entwicklungskosten besser verteilen“, sagt Rohden.

Die Projektgesellschaft hat eine Reihe bekannter Unterstützer: Aufsichtsratvorsitzender etwa ist Niels Stolberg, einst Gründer und Chef der Bremer Reederei Beluga. Bevor Beluga 2011 Insolvenz anmeldete – ein Prozess wegen des Verdachts der Bilanzfälschung steht noch aus –, experimentierte Stolberg mit Segel-Hilfsantrieben für Schwergutfrachter.

»Unsere Segel helfen, das Schiff auch dann in Fahrt zu halten, wenn der Wind direkt von vorne kommt.« ROLF ROHDEN, INNOVEN GMBH 

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