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Altes Schiff in neuem Glanz

Gründerpreisträger INNOVEN renoviert ehemaliges Hilfsschiff der Royal Navy – Test mit neuen Technologien


Artikel vom 26.09.14, Nordsee-Zeitung

Altes Schiff in neuem Glanz

Bremerhaven. Der Tisch in der Offiziersmesse besteht aus dunklem, massivem Holz. „So etwas dürfte man heute gar nicht mehr einbauen, aus Brandschutzgründen“, sagt Rolf Rohden. Aber Originalbauteile genießen Bestandsschutz. Einmal überlackiert, darf der Holztisch also bleiben – ebenso wie Schreibtisch und Hängeschrank in der Kapitänskajüte.

Aber sonst ist vieles neu an Bord der „LEV TORNADO“. Rohden, Chef des Bremerhavener Ingenieurbüros INNOVEN, öffnet die Tür zum Badezimmer des Kapitäns. „Das sah ziemlich schlimm aus“, erinnert er sich an die erste Besichtigung des Schiffes vor zwei Jahren im schottischen Glasgow. „Mussten wir alles rausreißen und neu machen – Toiletten, Duschen, Fliesen.“

Auch auf der Brücke war – außer dem kunstvoll gedrechselten Steuerrad aus Holz – nicht mehr viel zu gebrauchen. Elektriker ziehen Strippen für neue Radar- und Funkgeräte. Die „LEV TORNADO“ trägt immerhin 35 Jahre als Hilfsschiff der Royal Navy auf dem Kiel. Die meiste Zeit hat sie Übungstorpedos nach Abschluss eines Manövers wieder eingesammelt – Winde, Kran und eine Heckrampe ähnlich wie bei einem Fischtrawler künden noch vom Handlangerjob im Dienste Ihrer Majestät.

Jetzt steht die „LEV TORNADO“ vor ihrem zweiten Leben. Rohden und seine Partnerin Martina Kuhlmann haben das Schiff 2012 gekauft, um es künftig für ihre kleine Reederei INNOVEN Marine Service fahren zu lassen. „Hauptsächlich als Arbeitsschiff für Offshore-Windparks“, kündigt Rohden an. Ob für Messfahrten oder Zubringerdienste, als Wachschiff, Tauchermutterschiff oder als schwimmendes Hotel für Wartungstechniker – bei den maritimen Dienstleistungen rund um die neuen Windparks glauben Rohden und Kuhlmann eine Marktlücke entdeckt zu haben. „Da gibt es echten Bedarf“, versichern die beiden Ingenieure, die 2013 den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start-up (neu gegründetes Unternehmen) gewannen. Mit der kleineren „LEV TAIFUN“, einem ehemaligen Tonnenleger, sind sie bereits in dieses Segment vorgestoßen.

Niedrige Emissionen

Zum zweiten sollen ihre Schiffe jedoch auch zu einem Vorbild an Effizienz und Sauberkeit werden. Das LEV im Namen steht nämlich für „Lowest emission vessel“ – Niedrigstemissionsschiff. Vom Schiffspropeller bis zur Abfallbeseitigung – alles lässt sich nach Meinung der beiden Tüftler noch verbessern. Was sie am Computer entwerfen, soll auf ihren Schiffen im praktischen Betrieb erprobt und dann verkauft werden.

So arbeitet Rohden zurzeit an einem neuen Propeller, der irgendwann auf der „LEV TORNADO“ nachgerüstet werden soll. „Selbst bei einer etablierten Technik lässt sich immer noch etwas rausholen“, versichert er. Zwar suchen Schiffbauingenieure seit mehr als 150 Jahren nach der perfekten Propellerform – aber erst seit einigen Jahren mit immer besser werdenden Simulationsprogrammen am Computer, gibt Rohden zu bedenken.

Ihre Erfahrungen wollen die INNOVEN-Ingenieure bald sogar in einen Schiffsneubau einbringen. In Gedanken und auf den PC-Bildschirm nimmt die „LEV HURRICANE“ schon Gestalt an. Auch sie soll ein Arbeitsschiff für Offshore-Windparks werden, „100 Meter lang, mit Jack-up-Funktion und Kran, für Wartungs- und Inspektionsarbeiten“, erklärt Rohden. Geplante Indienststellung: 2017.

Auf ihren Festplatten haben die INNOVEN-Tüftler außerdem Pläne für kleine Schiffssegel zur Brennstoffeinsparung, Windräder mit ausfahrbaren Teleskopflügeln und -türmen und spezielle Offshore-Windradflügel. Wenn diese Projekte umgesetzt werden, wird das kleine Ingenieurbüro mit den großen Plänen finanzstarke Partner brauchen. „Wir sind da in Gesprächen“, versichern Rohden und Kuhlmann. Das Prestige als Gründerpreisträger soll dabei die Türen öffnen.

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